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Werther Mobil

Zwischenbericht Werther Mobil

Am Donnerstag den 18. Mai stellte die Fachhochschule den Zwischebericht zum Projekt Werther Mobil vor....

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Weidt und Herrn Kallenbach vom TMUEN stellt die FH Erfurt den bisherigen Arbeitsstand bzw. die  Entwicklungen und Zwischenergebnisse von Projektbeginn im Januar 2016 bis Ende April 2017 vor.

Ausgangssituation:

Im Vergleich zur Projektphase I Stabilisierung des Fahrdienstes in 2016
hinsichtlich, Angebot, Nachfrage und Durchführung; Erfolgreiche Suche nach ehrenamtlichen Fahrern in dem sozialen Projekt; Befragung regelmäßiger Nutzer: Zufriedenheit mit dem Fahrdienst in aktuell durchgeführter Form, wesentlicher Beitrag zur Alltagsbewältigung v.a. älterer Menschen→ wichtiger Faktor der Lebensqualität im ländlichen Raum; WertherMobil (Renault Kangoo Z.E.) weiterhin als Leihfahrzeug für Einwohner und Vereine verfügbar

Nutzung des WertherMobils:

Insgesamt fanden von Januar 2016 bis April 2017 389 Fahrten statt,
wobei 12.722 Kilometer zurückgelegt wurden, der Anteil des Fahrdienst als dominierender Nutzungszweck hat weiter zugenommen, dieser bildet weiterhin das „Kernelement“ des Konzeptes und ist wie vorgesehen Haupteinsatzzweck des WertherMobils; die Leihauto- und sonstige Nutzung wurden zur Vermeidung von Nutzugskonflikten bei verstärkter Nachfrage nach
Fahrdienstfahrten unter der Woche von Seite der Gemeindeverwaltung eingeschränkt Fahrgäste - Anzahl und Altersgruppen, Fahrzeugbesetzung: Im betrachteten Zeitraum fanden 310 Fahrdienstfahrten statt, wobei insges. 479 (pro Monat 30) Fahrgäste befördert wurden, die Auslastung ist im Vergleich zum Projekt Werther I weiter stabil, die Hauptnutzergruppe besteht
weiterhin aus älteren, tendenziell stärker mobilitätseingeschränkten Einwohnern (Ü80: 83% der Nutzer, Ü60: 9% der Nutzer): Fahrdienstfahrten werden zu knapp 2/3 mit 1 Fahrgast, zu gut ¼ mit 2 Fahrgästen, zu 9% mit 3 Fahrgästen und zu 3% mit 4 Fahrgästen durchgeführt. Die Gemeindeverwaltung ist immer bemüht, Fahrtenwünsche zu kombinieren um die Auslastung zu stärken, jedoch ist dies aufgrund verschiedener Fahrtziele und Termine der Nutzer nicht immer
realisierbar. Die Fahrdienstfahrten werden mittlerweile fast ausschließlich von den 8 Ehrenamtlichen durchgeführt, die seit Februar 2016 regelmäßig im Einsatz sind. Primäres Fahrtziel der Fahrdienstfahrten ist Nordhausen, daneben wurden die weiteren Ortsteile der Gemeinde, teils als kombinierte Fahrtziele, angefahren. Zusammenfassend wurde festgehalten, dass der Fahrdienst mit ca. 80% aller Fahrten und 70% der zurückgelegten Kilometer wie im Projektkonzept vorgesehen den primären Einsatzzweck des WertherMobil darstellt, er wird besonders von Generation Ü60 genutzt, dabei stellen Ü80-Jährige die größte und anteilsmäßig weiter wachsende Nutzergruppe. Jahreszeitliche
Nutzungsschwankungen entstehen durch eine Reduzierung Fahrdienstfahrten in den kälteren Monaten wg. der verringerten Reichweite und in Ferienzeiten wg. einer teils eingeschränkten Fahrerverfügbarkeit bzw. werden die Nutzer häufiger durch Familienangehörige gefahren.

Der Fahrdienst wird mittlerweile wie ursprünglich angestrebt nahezu vollständig durch Ehrenamtliche durchgeführt. Die gestiegene Nachfrage im Fahrdienst hingegen erschwert eine verlässliche Parallelnutzung des WertherMobil als Leifahrzeug, so dass die Nutzungsmöglichkeit für die Gemeindeverwaltung, Privatpersonen und Vereine reduziert werden musste.

Festgehalten wurde in der anschließenden Diskussion nochmals, dass der Fahrdienst in der aktuelldurchgeführten Form keine Konkurrenz, weder für die regionalen Taxiunternehmen, noch für den ÖPNV darstellt, sondern diesen stattdessen ergänzt.

Für die Hauptnutzergruppe (primär Ü80- Jährige), welche hauptsächlich aus hochbetagten und mobilitätseingeschränkten Personen besteht, sind die Nutzungsmöglichkeiten dieser „klassischen“ Verkehrsangebote aufgrund finanzieller und körperlicher Einschränkungen sehr stark begrenzt, so dass der Fahrdienst für Viele die letzte Mobilitätsoption als Faktor für ein selbstständiges Leben im gewohnten räumlichsozialen Umfeld darstellt. In Zukunft könnten die Fahrtzeiten von ÖPNV und Fahrdienst noch weiter aufeinander abgestimmt werden um die Ergänzungsfunktion des WertherMobils zu stärken.

Projektbegleitendes Monitoring:

Im Juni 2015 wurde bereits eine Befragung aller Haushalte der
Gemeinde Werther mit dem Fokus auf der Einwohnerzufriedenheit mit ihrer aktuellen Versorgungs- und Mobilitätssituation sowie dem Interesse an den WertherMobil-Angeboten durchgeführt. Im Frühsommer 2016 folgte eine Befragung der Nutzer des WertherMobil- Fahrdienstes zur Art und Häufigkeit der Nutzung, ihren Erfahrungen und Verbesserungsmöglichkeiten.

Zu Jahresbeginn/Frühjahr 2017 wurden die ehrenamtlichen Fahrer zu ihren Beweggründe für das Engagement, den Erfahrungen mit dem E-Kfz und bei der
Durchführung des WertherMobil-Fahrdienstes interviewt. Die Aussagen und deren Auswertung sollen auch als Ansatzpunkte für die Einbindung Ehrenamtlicher in ähnlichen Projekten andernorts dienen.

Die Motivation der Fahrer ist v.a. ein Ausdruck der Solidarität mit den Mitbürgern angesichts der eingeschränkten Versorgungs- und Mobilitätssituation für viele Bewohner des ländlichen Raumes. Auch die soziale Interaktion und ein „in Kontakt-Bleiben“ spielt neben der Attraktivität des Elektrofahrzeuges als etwas Neues eine wichtige Rolle. Besonders geschätzt wird die Organisation des Fahrdienstes aus einer Hand durch die Kümmerer bei der Gemeindeverwaltung.

Die Rückmeldungen der Fahrgäste seien ausschließlich positiv, zudem wird
eine weiteres Nutzerpotenzial bei Mitbürgern gesehen, die sich aus verschiedenen Gründen bisher nicht „trauen“, den Fahrdienst zu nutzen.

Erweiterung Leihauto-System:

Da das WertherMobil seit 2016 zunehmend v.a. tagsüber an
Wochentagen im Fahrdienst ausgelastet ist, die Projektintention jedoch auch eine zuverlässige Bereitstellung eines elektromobilen Leihautos für die Einwohner Werthers vorsieht, wurde unter den Projektbeteiligten die Anschaffung eines für die Leihautonutzung geeigneteren, kleineren
Fahrzeuges zum Herbst 2016 abgestimmt.

Das neue Fahrzeug soll neben der Leihe (Einwohner, lokale Vereine/soz. Zwecke) ergänzend auch für Dienstfahrten der Gemeindemitarbeiter zur Verfügung stehen. In der von November bis April andauernden Erprobungsphase, wurden insgesamt 145 Fahrten durchgeführt, wobei mit ¾ die Nutzung durch die Gemeindeverwaltung gegenüber ¼ Leihfahrten noch deutlich dominiert.

Das „CarSharing“/die Privatnutzung (und Leihe durch Vereine/soz. Zwecke) besitzt somit noch Steigerungspotenzial, aber es ist bereits eine Zunahme des Anteils privater Leihen und zurückgelegter km/Monat festzustellen.

Lokales E-Mobilitätssystem:

Das installierte System aus PV-Anlage, Speicher, Ladesäule und E-Kfz
wird hinsichtlich des Anteils lokal erzeugter Energie bei der Ladung des WertherMobils betrachtet, wobei ein möglichst hoher Anteil regenerativer Beladung (bis zur Fertigstellung des„Gesamtsystems“ ca. 15%) anzustreben ist.

Als Tendenz lässt sich festhalten: Im Jahr 2016 wurde für das System (Fahrzeug plus Bürgermeisteramt) ein Autarkiegrad von 36 % erreicht (im Sommer-halbjahr deutlich über 50%, in Wintermonaten unter 10 %). Von der erzeugten Energie (3.450 kWh) wurden 18 % ins Netz eingespeist und 51 % direkt verbraucht. Der Rest (31%) wurde (zwischen-)gespeichert. In 2017 sank der Autarkiegrad erheblich (im Monat April von 65% 2016 auf knapp 50 %), Grund: Einsatz
eines Fahrzeugs mit höherer Ladeleistung. Es ergibt sich folgender Optimierungskonflikt: Bei einer Ladekapazität des Fahrzeugs von ca. 3,5 kW pro Stunde entsprechen sich die installierte Erzeugungs- und Speicherkapazitäten. Die nutzfreundliche (reale) Ladekapazität von 13 kWh moderner Fahrzeuge führt zu praktisch ausschließlichem Netzbezug. Selbst bei schönem Wetter und „gefülltem“ Speicher werden 80% des Strombedarfs des ZOE aus dem Netz gedeckt. Eine Lösungsoption besteht diesbezüglich in der Nutzung der „alten“ Ladesäule, wenn keine unmittelbare Nachnutzung ansteht.

(Zwischen)Fazit / Perspektiven:

Es konnte eine Stabilisierung des Fahrdienstes hinsichtlich Angebot, Nachfrage und Durchführung erreicht werden, zudem deutet sich eine weiteres Nutzerpotential an. Das 2. E-Kfz konnte etabliert werden, es scheint nach den bisherigen Erfahrungen gut geeignet für Dienstfahrten im Gemeindegebiet, auch der Anteil der Privatnutzung steigt, hier gibt es eine weiteres Steigerungspotenzial genau wie bei der Nutzung für soziale Zwecke wie Vereine als Teil der Dorfgemeinschaft.

Das gesamte E-Mobilitätssystem läuft technisch überwiegend stabil und zuverlässig, Reichweitenerhöhung der beiden E-Kfz wird durch den zeitnah geplanten Akkuwechsel erreicht.
WertherMobil kann als Vorreiterinitiative“ für gemeinschaftliche E-Fahrzeugnutzung in der Region gesehen werden, es bestehen bereits Synergien zum E-Carsharing-start up mobeee (welches weitere regionale Wirtschafts- und Sozialpartner einbindet).

Das Projekt und sein Modellcharakter besitzen zudem mittlerweile eine überregionale Ausstrahlung, wie Interessensbekundungen und eine Besichtigung des „Werther-Modells“ durch die HWK Erfurt, welche Interesse an einer Übertragung der Systemidee zur Versorgung des eigenen E-Kfz-Fuhrparks geäußert hat, zeigen. Des Weiteren fand ein Erfahrungsaustausch mit
Vertretern des Ilmkreises und der Gemeinde Mellenbach-Glasbach (LK Saalfeld-Rudolstadt) statt, zudem gab es eine Anfrage zur Konzeptumsetzung aus Schleswig-Holstein.

Der bereits 3. E-Mobilitäts-Aktionstag am 17. Juni 2017 soll das Thema noch einmal einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren.

Nachhaltigkeit des Projektes WertherMobil:

Angesichts der anstehenden Gemeindegebietsreform ist das Ziel, dass die geschaffene Infrastruktur und die Angebote des WertherMobils am Standort
Werther erhalten bleiben. Entsprechende Vorkehrungen hierzu wurden vonseiten der Gemeindeverwaltung bereits getroffen.

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